PALAST DER NACHT
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PALAST DER NACHT

Dämmerung senkt sich über die Stadt,
Das Lachen der Kinder wird leiser,
Das uniforme, geschäftige Treiben läßt nach, es kehrt Ruhe in den Straßen ein.
Doch dann, der Palast beginnt zu leben !
Es werden Lichter entzündet, um die Dunkelheit bewohnbar zu machen,
Der Alkohol fließt in die Gläser, um das Grau des Tages vergessen zu machen,
Der Discobass hämmert unaufhörlich, um den letzten klaren Gedanken zu zerhacken,
Je mehr Unordnung sich in meinem Kopf bildet, desto wirklicher wird der Palast,
Die Phantasie bekommt nun den Freilauf, den sie bei Tage nicht findet,
Das schummrige Licht gaukelt mir eine goldene Welt vor,
Die in den Farben des Lifestyle und der Überheblichkeit schillert.
Schrilles Lachen dringt hinaus in die Ruhe der Nacht,
Endlose Rhythmen lassen den Boden erdröhnen,
Im gleichen Takt tanzen ihre roten Lippen über mein Gesicht,
Bald ist die Ekstase erreicht, doch plötzlich...

Ein Strahl der aufgehenden Sonne trifft den Palast.
Schlagartig bricht er unter der Last des Tageslichtes zusammen.
Übrig bleibt nur ein leeres Glas,
Katergeschmack im Mund,
Verschwommene Erinnerungen,
Und ein Rest Dunkelheit, der sich unter meine Augen legt !

Der Morgen dämmert, Die Lampen gehen aus,
Die Sonne vertreibt den Bodennebel,
Die Vögel zwitschern, der Tag beginnt.

Ich schaue aus dem Fenster, Das Gesicht mit
den dunklen Gläsern einer Ray-Ban verdeckt,
Meine Gedanken finden wieder zu einer Ordnung,
Als ich die Trümmer des Palasts sehe, werden die
Erinnerungen an den Vortag wieder wach.
Als ich die Ereignisse des Abends mit meinen Träumen
vergleiche, stelle ich wieder einmal fest, daß man der 
Realität nicht entfliehen kann.

Bernd Klaiber

 
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Release: 2004-05-22